Gesundheitsfachpersonen können wesentlich dazu beitragen, den Patientenwillen frühzeitig zu klären und zu dokumentieren. Die nationale Arbeitsgruppe Gesundheitliche Vorausplanung (AG GVP), die vom BAG und der SAMW geleitet wird, hat dazu umfassende Informationen erarbeitet. Diese unterstützen dabei, Gespräche über GVP zu eröffnen, relevante Informationen zu teilen oder geeignete Anlaufstellen zu finden.
Niemand weiss, ob und wann eine Situation eintritt, in der eine Person nicht mehr selbst über medizinische Behandlungen entscheiden kann. Alle Gesundheitsfachpersonen – von der Hausärztin über Spitex-Mitarbeitende bis zu Notfallmedizinern – können Gespräche über zukünftige gesundheitliche Situationen anstossen und zum Prozess der Gesundheitlichen Vorausplanung (GVP) einladen. Entscheidend sind ein Vertrauensverhältnis und eine Begegnung auf Augenhöhe. So können Betroffene dabei unterstützt werden, ihre Werte und Wünsche zu klären, diese zu teilen und für Angehörige und Fachpersonen greifbar festzuhalten.
Insbesondere wenn bereits eine chronische oder schwere Erkrankung vorliegt, sollen Patientinnen und Patienten angeregt werden, mögliche Entwicklungen zu besprechen und Behandlungsziele gemeinsam zu definieren. Die Gesundheitsfachpersonen können medizinische Möglichkeiten aufzeigen und Grenzen erläutern. So werden realistische Erwartungen entwickelt und Entscheidungen besser vorbereitet. Die GVP bietet hierfür einen strukturierten Rahmen.
Patientenwillen stärken
Die nationale Arbeitsgruppe GVP verfolgt das Ziel, GVP in der Bevölkerung bekannt zu machen und zu verankern. Als ein Teilprojekt dieser Arbeiten wurden vom BAG, in Zusammenarbeit mit einer fachlichen Kerngruppe, Web-Inhalte entwickelt, die Laien zu GVP anregen und sie bei der Umsetzung unterstützen.
Als Fachperson GVP bekanntmachen
Die BAG-Webseiten «Patientenwillen stärken» bieten auch Fachpersonen wichtige Grundlagen, um Patientinnen und Patienten bei der GVP zu begleiten. Ein Überblick:
Für alle Lebensphasen: Mit farbenfrohen Bildern, klaren Botschaften und konkreten Fallbeispielen macht diese Seite die Vielfalt von GVP sichtbar. Ob alt oder jung, gebrechlich oder gesund: GVP ist für alle wichtig und möglich. Die Beispiele zeigen, wie GVP für unterschiedliche Lebensphasen funktioniert und wie man dabei vorgehen kann.
Patientenwillen stärken: Einstiegsseite
Argumente und Antworten: Rund um GVP gibt es viele Fragen, die Patientinnen und Patienten beschäftigen: Warum ist GVP wichtig? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Kann ich die Meinung später ändern? Diese BAG-Seite liefert verständliche Argumente und Antworten. Fachpersonen können diese Inhalte nutzen, um Gespräche vorzubereiten und Informationsmaterial weiterzugeben.
Patientenwillen stärken: Nutzen der GVP
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Diese BAG-Seite bietet zahlreiche Leitfragen für den Einstieg in GVP-Gespräche, erklärt zentrale Begriffe und gibt Hinweise zur Dokumentation des Patientenwillens. Die Informationen unterstützen dabei, Gespräche über Werte, Behandlungsziele und Patientenverfügungen aktiv anzustossen, insbesondere bei chronisch Kranken oder älteren Menschen.
Patientenwillen stärken: Vorgehensweise
Informationsmaterial bestellen
Vielfältige Hilfsmittel für GVP-Gespräche und die Sensibilisierung rund um GVP können beim BAG kostenlos als Vorlagen bestellt werden. Zum Beispiel
- eine Druckvorlage für einen Flyer für die Auslage in einer Praxis, Geschäftsstelle oder an einer Messe
- eine Bild-Text-Vorlage für einen Newsletter
- eine Vorlage für die Kommunikation via Screen in einer Praxis, Apotheke etc.
Fachpersonen können dieses Material nutzen, um ihre Anspruchsgruppen – Patientinnen, Angehörige, Teammitglieder – für GVP zu sensibilisieren. Mit Klick auf den folgenden Umfrage-Link des BAG kann man sein Interesse an den oben genannten Inhalten anmelden. Zur BAG-Umfrage
Als Fachperson GVP umsetzen
Gemeinsam mit den betroffenen Menschen und möglicherweise mit deren Angehörigen können Gesundheitsfachpersonen den GVP-Prozess umsetzen. Dies ist ein wesentlicher Beitrag, dass gesundheitliche Entscheidungen frühzeitig besprochen, gut dokumentiert und im Ernstfall respektiert werden. Die folgenden Schritte dienen als Anhaltspunkte.
Thema lancieren: Sprechen Sie das Thema aktiv an, besonders bei Diagnosestellung schwerer Krankheiten, im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen oder im Hinblick auf einen Spitaleintritt bzw. bei der Planung grösserer Eingriffe.
Gespräch führen: Führen Sie wiederkehrende Gespräche über Wünsche, Ängste und Vorstellungen zur Lebensqualität. GVP ist ein Prozess, kein einmaliges Ereignis.
Angehörige einbeziehen: Regen Sie an, Vertrauenspersonen einzubinden, um sicherzustellen, dass diese im Ernstfall stellvertretend im Sinne der Betroffenen entscheiden können. Fragen Sie aktiv nach, wer die vertretungsberechtige Person ist, die im Notfall zu kontaktieren wäre.
Instrumente nutzen: Setzen Sie validierte Instrumente und Hilfsmittel für GVP ein oder ziehen Sie eine ausgebildete Fachperson bei. Sie können auch an Beratungsorganisationen (siehe weiter unten) verweisen.
Dokumentation gewährleisten: Hinterlegen Sie Ihnen vorliegende Patientenverfügungen oder Notfallformulare Ihrer Patientinnen und Patienten gut auffindbar in der digitalen und/oder physischen Patientenakte.
Netzwerk pflegen: Arbeiten Sie mit Beratungsstellen oder spezialisierte Organisationen zusammen. In der Schweiz bieten Organisationen wie das Schweizerische Rote Kreuz, Pro Senectute oder die Stiftung SPO Beratungen an. Die SAMW und das BAG bieten keine Beratungsgespräche an.