Käthe-Zingg-Schwichtenberg-Fonds

Seit 2006 unterstützt die SAMW mit Mitteln aus dem Käthe-Zingg-Schwichtenberg-Fonds Forschungsprojekte auf dem Gebiet der bio-medizinischen Ethik, namentlich der klinischen Ethik und Public-Health-Ethik. Die Ausschreibung erfolgt jährlich und ist entweder thematisch offen gestaltet und primär auf Nachwuchsforschende ausgerichtet oder inhaltlich auf ein vorgegebenes Thema fokussiert.

Ausschreibung 2022: «moral distress» bei Gesundheitsfachkräften

Das Konzept des «moral distress» wurde erstmals in den 1980er-Jahren vom amerikanischen Philosophen und Public-Health-Ethiker Andrew Jameton beschrieben. Gemeint waren mentale und moralische Auswirkungen auf Pflegende, die ihre Arbeit nicht den eigenen Ansprüchen gemäss ausführen konnten, meist aufgrund institutioneller Einschränkungen (1). Mittlerweile wurde das Konzept erweitert und umfasst mehr Berufsgruppen in der Gesundheitsversorgung – Pflegende, Ärztinnen und Ärzte, Managementmitarbeitende etc. –, die ihre Arbeit als ethisch unzureichend empfinden oder in Situationen involviert sind, die als moralisch unerwünscht wahrgenommen werden.

 

Internationale Studien haben gezeigt, dass «moral distress» negative Auswirkungen auf die Betroffenen selber hat, etwa abnehmende Resilienz, angeschlagene physische oder psychische Gesundheit und häufigere Berufsausstiege. Entsprechend zeigten sich negative Folgen im System, namentlich steigende Krankheitsfälle, höhere Fluktuationsraten oder ein dadurch sinkendes institutionelles Gedächtnis (2). Mit der Covid-19-Pandemie sind diese Probleme sichtbarer und akuter geworden.

 

Mit der diesjährigen Ausschreibung aus dem KZS-Fonds ruft die SAMW Forschende auf, Fragen des «moral distress» bei Gesundheitsfachkräften in der Schweiz zu untersuchen. Bislang fehlt eine solide Datengrundlage für eine vertiefte medizin-ethische Diskussion. 

 

Referenzen
(1) A. Jameton, Nursing Practice: The Ethical Issues, (Englewood Cliffs, NJ: Prentice-Hall, 1984, 6)
(2) A.M. Viens, C. R. McGowan and C. M. Vass, Moral distress among healthcare workers: ethics support is a crucial part of the puzzle (BMJ Opinion, 2020)

 

Mittel und Rahmen

Für die KZS-Ausschreibung 2022 steht insgesamt ein Betrag von 250'000 CHF zur Verfügung. Es sollen empirische oder theoretische Forschungsvorhaben gefördert werden, die das Thema «moral distress von Gesundheitsfachkräften» aus klinisch-ethischer und/oder Public-Health-ethischer Perspektive untersuchen. Ziel der geförderten Projekte soll sein, die Wurzeln der Frustration bei Gesundheitsfachkräften – Pflegende und Ärzteschaft – und die hohe Zahl der Berufsausstiege in der Schweiz zu ergründen.

 

Die Projekte müssen in der Planungsphase stehen; es werden keine laufenden Projekte finanziert.

 

Die Zentrale Ethikkommission (ZEK) der SAMW wird die unterstützten Projekte begleiten. Zudem werden die Ergebnisse in die Diskussion einfliessen, ob klinische Ethikstrukturen dazu beitragen können, «moral distress» bei Gesundheitsfachleuten zu lindern. Gegebenenfalls wird die ZEK Empfehlungen für die praktische Umsetzung der Ergebnisse veröffentlichen.

 

Verwendung der Beiträge

Die Höhe der Zusprachen ist variabel, d. h. Gesuchseingaben können für die volle zur Verfügung stehende Summe (250'000 CHF) gemacht werden, aber auch deutlich bescheidener sein. Entscheidend für die Beurteilung ist, wie Projektziele, Planung und Budget zusammenspielen. Die Projektbeiträge werden in der Regel für max. 2 Jahre zugesprochen, eine längere Dauer muss im Gesuch begründet werden. Die zugesprochenen Mittel können direkt in das Projekt fliessen und/oder die Lohnkosten für den/die Hauptgesuchsteller/-in decken.

 

Evaluation

Gesuche, die den formalen Vorgaben entsprechen, werden von der KZS-Expertenkommission gemäss den im KZS-Reglement festgesetzten Kriterien und den Angaben der Ausschreibung 2022 evaluiert. Die Kommission entscheidet, ob ein oder mehrere Forschungsprojekt(e) unterstützt werden. Entscheide werden bis zum 30. November 2022 kommuniziert.

 

Gesuchseingabe

Gesuche können auf Deutsch, Französisch oder Englisch verfasst sein und müssen online registriert werden. Details zum Format und zur Gesuchseingabe finden Sie auf der Registrierungs-Seite.


Eingabetermin: 15. Mai 2022
Frühester Beitragsbeginn: 1. Dezember 2022

 

KONTAKT

Dr. Myriam Tapernoux
Ressortleitung
Tel. +41 31 306 92 76