Gesundheitliche Vorausplanung

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Gesundheit, Krankheit und Lebensqualität sind entscheidende Faktoren für ein würdevolles Lebensende. Die frühzeitige Auseinandersetzung mit Behandlungsmöglichkeiten und mit dem Sterben sind Voraussetzungen, um die Selbstbestimmung zu fördern. Eine von der SAMW und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) geleitete nationale Arbeitsgruppe verfolgt das Ziel, in der Schweiz die Rahmenbedingungen und Qualitätsstandards zu verbessern.

Bei der gesundheitlichen Vorausplanung geht es darum, Gespräche über persönliche Werte, Wünsche, Erwartungen und Vorstellungen in Bezug auf die Behandlung und Betreuung bei Krankheit, Unfall oder Pflegebedürftigkeit anzuregen und für den Fall der Urteilsunfähigkeit für Drittpersonen greifbar festzuhalten, etwa mittels Patientenverfügung. Gesundheitliche Vorausplanung ist ein aktiver Prozess mit Blick darauf, dass für kranke Menschen gemäss ihrem Willen medizinische Massnahmen ergriffen oder unterlassen werden. Dazu gehört auch, dass diese Entscheide von den Angehörigen mitgetragen oder zumindest verstanden werden.

 

Zur Förderung und Verbesserung der gesundheitlichen Vorausplanung gibt es in der Schweiz Handlungsbedarf in verschiedenen Bereichen, etwa bezüglich Instrumente wie Patientenverfügungen, Beratung oder Finanzierung. Vor diesem Hintergrund hat der Bundesrat das Bundesamt für Gesundheit, Sektion Nationale Gesundheitspolitik, beauftragt, zusammen mit der SAMW eine Arbeitsgruppe «Gesundheitliche Vorausplanung» einzusetzen, um den notwendigen nationalen Prozess zu steuern.

 

Grundlage für diese Arbeiten sind der Bericht zum Postulat 18.3384 «Bessere Betreuung und Behandlung von Menschen am Lebensende», den der Bundesrat am 18. September 2020 verabschiedet hat. Er zeigt darin auf, wo Handlungsbedarf u. a. hinsichtlich der gesundheitlichen Vorausplanung besteht: Patientenverfügungen sind oft gar nicht vorhanden, nicht auffindbar oder für Fachpersonen nicht anwendbar, weil die darin festgehaltenen Äusserungen in einer Notfallsituation nicht aussagekräftig sind. Auch wird das Lebensende oft als akutes Ereignis behandelt – obwohl rund 70 Prozent der Todesfälle in der Schweiz zu erwarten sind und damit frühzeitig und vorausschauend vorbereitet werden könnten.

 

Ziele und Vorgehen

Die von BAG und SAMW eingesetzte ständige Arbeitsgruppe «Gesundheitliche Vorausplanung» hat zum Ziel, das Konzept der gesundheitlichen Vorausplanung inhaltlich zu steuern und zu konkretisieren. Sie besteht aus Fachexpertinnen und -experten aus Medizin, Pflege, Palliative Care, Soziale Arbeit, Recht und Ethik. Vertreten sind auch Entscheidungsträgerinnen und -träger der nationalen Fach- und Leistungserbringerverbände sowie Patienten- und Betroffenenorganisationen, die Beratungen zum Thema anbieten.

 

Die Arbeiten wurden Anfang Mai 2021 aufgenommen. Erstes Ziel der Arbeitsgruppe ist es, einen nationalen Konsens darüber zu erarbeiten, welche Form von gesundheitlicher Vorausplanung notwendig ist, um die Selbstbestimmung in Krankheitssituationen und am Lebensende zu gewährleisten.

 

 

Für die Umsetzung konkreter Massnahmen werden Fachpersonen beigezogen und Subgruppen eingesetzt. Mögliche Themen sind einheitliche Qualitätsstandards für Patientenverfügungen oder die verbesserte Zugänglichkeit der Dokumentation der Behandlungswünsche. Auch Sensibilisierungsprojekte für Fachpersonen und die Bevölkerung könnten entwickelt werden. Die SAMW wird via Bulletin, Website und Newsletter über die Fortschritte berichten.

 

 

 

Zusammensetzung der Arbeitsgruppe

Franziska Adam, Spitex Schweiz, Ambulante Pflege
Dr. med. Gabriela Bieri, SFGG, Geriatrie/Stationäre Langzeitpflege
Piero Catani, SAGES, Sozialarbeit
Dr. phil. Christine Clavien, Delegierte Netzwerk Romandie, Ethik
PD Dr. med. Monica Escher, MER, Palliativmedizin
Prof. Dr. med. Miodrag Filipovic, SGI, Intensivmedizin
Nathalie Gerber, SRK Schweiz, Beratungs- und Betroffenenorganisation
lic. iur. Debora Gianinazzi, Bundesamt für Justiz, Recht
Renate Gurtner Vontobel, MPH, palliative ch
PD Dr. med. Dr. phil. Ulrich Hemmeter, SGAP, Alterspsychiatrie und -psychotherapie
Prof. Dr. med. Dr. phil. Paul Hoff, Zentrale Ethikkommission, SAMW, Ethik/Psychiatrie
Dr. med. Eva Kaiser, mfe, Hausarztmedizin
Isabelle Karzig-Roduner, ACP-Swiss, Advance Care Planning
Prof. Dr. med. Dagmar Keller, SGNOR, Notfallmedizin
Claudia Kubli, Curaviva Schweiz, Langzeitpflege/Wohnheime
Dr. med. Jana Siroka, FMH, Innere Medizin und Intensivmedizin
Annina Spirig, Pro Senectute Schweiz, Beratungs- und Betroffenenorganisation
Michael Wehrli, SGI, Intensivpflege
Prof. Beat Reichlin, Konferenz für Kinder- und Erwachsenenschutz KOKES
Silvia Marti, GDK (Gast)
Stefan Berger, H+ (Gast)
Simone Bertogg, LangzeitSchweiz (Gast)

 

lic. theol., Dipl.-Biol. Sibylle Ackermann, SAMW (ex officio)
lic. phil. I Flurina Näf, BAG (ex officio)

 

 

 

KONTAKT

lic. theol., Dipl.-Biol. Sibylle Ackermann
Leiterin a.i. Ressort Ethik