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Peter Meier-Abt

10. Mai 1947 – 27. Mai 2021

 

Prof. Peter Meier-Abt war ein Mann mit vielen Stärken: ein doppelter Facharzt, herausragender klinischer Forscher und unermüdlicher Fürsprecher der Wissenschaft. In jeder seiner Positionen waren seine Intelligenz, Energie und Statur offensichtlich und eindrücklich. Wir erinnern uns in Dankbarkeit und Verbundenheit an ihn.

 

Im Jahr 2000 trat Peter Meier-Abt als Mitglied des Senats in die SAMW ein, wurde 2004 Vizepräsident und war von 2011 bis 2016 deren Präsident. In dieser Rolle wirkte er auch als Erschaffer neuer Strukturen, deren Präsidien er ebenfalls innehatte. Stellvertretend für die zahlreichen Organisationen und Menschen, die eng mit ihm zusammenarbeiteten, kommen hier verschiedene Stimmen zu Wort: für die SAMW, für das Swiss Personalized Health Network (SPHN) und die Swiss Clinical Trial Organisation (SCTO).

 

SAMW: Verstärkung als Institution der medizinischen Wissenschaften

Den Graben zwischen Grundlagenwissenschaft und Klinik zu überbrücken und zu verkleinern war das grosse Ziel, das Peter Meier-Abt antrieb und ihm Motivation verschaffte über seine gesamte berufliche Laufbahn hinweg. Ein doppelter Facharzt, Innere Medizin und Pharmakologie/Toxikologie, war sein Ausgangspunkt. Und so schlug er auch seine persönliche Brücke zwischen der medizinischen Versorgung zum besten Wohl der Patientinnen und Patienten und dem wissenschaftlichen Verständnis in der Grundlagenforschung. Er wollte nicht nur anwenden, sondern verstehen. Er wollte wissen, worauf unsere medikamentösen Therapien beruhen. Und diese Therapien verbessern, aus einem Verständnis ihres Wirkungsmechanismus heraus. Dies ist ihm als klinischer Forscher und Professor am Universitätsspital und an der Universität Zürich in herausragender, international hoch anerkannten Weise gelungen.

 

Was Peter Meier-Abt darüber hinaus auszeichnete, waren seine Energie und seine Visionen, die weiter reichten als bis zu wichtigen Publikationen. Als Vize-Rektor für Forschung an der Universität Basel und von 2004 bis 2016 als Vize-Präsident bzw. als Präsident der SAMW hat er sein starkes Credo in einen breiten Raum und an ein grosses aufmerksames Publikum tragen können. Schwerpunkte seiner Arbeit bei der SAMW waren sein Einsatz für die Nachwuchsförderung, insbesondere für klinisch Forschende und für Frauen (Positionspapier «Nachwuchsförderung»; Förderprogramm «Young Talents in Clinical Research»), für die hohen Qualitätsstandards der medizinischen Forschung (Positionspapier «Wissenschaftskultur») und sein von einer frühen Vision bis zu einem voll ausgebauten, fruchtbaren Netzwerk geführtes Hauptwerk, das Swiss Personalized Health Network (SPHN).

 

Peter Meier-Abt hat erkannt, dass die föderale Struktur der Medizin in der Schweiz mit fünf Universitätsspitälern, 26 kantonalen und einer Vielzahl von Bezirks- und Regionalspitälern einen riesigen Hemmschuh für die Weiterentwicklung einer herausragenden medizinischen Forschung und Versorgung in unserem Land darstellte: Ein jedes Spital mit eigener Daten-Infrastruktur, eigenen Regeln und Guidelines, bei gleichzeitigem Fehlen von nationalen Registern für wichtige Krankheiten oder Biobanken. Er formulierte das Konzept dessen, was zu SPHN wurde, lobbyierte unermüdlich bei Bund, Kantonen, Universitäten, Kolleginnen und Kollegen – und brachte das Unglaubliche zu Stande und zu grosser Blüte. Von der Gründung bis 2019 war Peter Meier-Abt Vorsitzender des «National Steering Boards». Mit enormer Schaffenskraft und Energie hat er die grosse Doppel-, zeitweise Dreifach-Belastung durchgehalten, ohne je seine Begeisterung und seine Offenheit für neue Ideen zu verlieren. Dass die im Juni 2021 publizierte neue Leistungsvereinbarung der SAMW mit dem Bund in zwei von vier gesetzten Zielen den Linien folgt, die Peter Meier-Abt vorgespurt hat, zeigt das Gewicht und die Nachhaltigkeit seiner Tätigkeit für die Akademie und unser Land.

 

Herausragende Eigenschaften von Peters Persönlichkeit waren seine Begeisterung für neue Ideen und Forschungsresultate, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Bei Themen, die abgedroschen und in «Sachzwängen» gefangen schienen, konnte er im Geist drei Schritte zurück machen, sein typisches Lächeln aufsetzen und aus einem ganz neuen Blickwinkel Fragen und neue Denk- und Lösungsansätze formulieren. Auf diese Weise hat Peter Meier-Abt der damals vielleicht etwas behäbigen, vorwiegend auf medizin-ethische Fragen fokussierten SAMW eine neue Dynamik verliehen, sie als Institution der medizinischen Wissenschaften neu positioniert und ihr die Leitung der grossen SPHN-Initiative mit nationaler Bedeutung übergeben. Die Akademie und alle ihre Mitglieder verlieren mit Peter Meier-Abt einen herausragenden Kollegen und ehemaligen Präsidenten, der vieles bewegt, geschaffen und in neue Bahnen geleitet hat.

 

Martin E. Schwab, ehem. Vizepräsident und ehem. Vorstandsmitglied der SAMW

 

 

SPHN: Neue Forschungskultur in der Zusammenarbeit mit Big Data

Im Namen des SPHN National Steering Boards möchte ich Peter Meier-Abts Pionierarbeit am Swiss Personalized Health Network mit grosser Überzeugung und ganzem Herzen würdigen. Er hat sehr früh erkannt, dass sich die moderne medizinische Forschung in eine Richtung entwickelt, in der Patientinnen und Patienten immer spezifischer und massgeschneiderter behandelt werden können. Als international vernetzter Forscher realisierte Peter Meier-Abt, dass in der Schweiz zwar die nötigen Technologien verfügbar sind, aber dass es für diese Forschung Studien mit grösseren Datensätzen braucht. Seine Überzeugung war, dass dies nur funktionieren kann, wenn mehrere Spitäler, Universitäten und der ETH-Bereich gezielt zusammenarbeiten, und dass dazu eine neue Forschungskultur der engen Kooperation an gemeinsamen grossen Datensätzen nötig ist.

 

Peter Meier-Abt war nicht nur ein visionärer Forscher und Kliniker, er war auch ein sehr grosszügiger Mensch, der diese Kultur des Gemeinsamen und des Teilens selber verkörperte; er konnte diese neue Forschungskultur authentisch und vorbildlich repräsentieren und vorantreiben. Mit unerschöpflicher Energie hat er Mittel, Partner und Lösungen gesucht, um in der Schweiz ein SPHN-Netzwerk entstehen zu lassen, das Forschenden und klinisch Tätigen erlaubt, moderne multi-zentrische klinische Studien unter Einhaltung der gesetzlichen und ethischen Grundsätze durchzuführen. Dabei hatte Peter Meier-Abt stets das Wohl der Patientinnen und Patienten im Fokus und wirkte dahingehend, dass die Schweizer Bevölkerung von den Entwicklungen der modernen Medizin optimal profitieren kann. Mit seiner diplomatischen und menschlichen Art, aber vor allem auch mit seinem echten und tiefen Glauben an die klinische Wissenschaft ist er einer der Pioniere und ein wichtiges Vorbild in der klinischen Forschung in der Schweiz geworden. Wir alle danken ihm für seinen unermüdlichen Einsatz und für seine Freundschaft.

 

Urs Frey, Präsident des National Steering Board, SPHN


 

SCTO: Nationale und internationale Vernetzung der klinischen Forschung

Mit Herzblut und grossem Fachwissen engagierte sich Peter Meier-Abt für die klinische Forschung und machte sich in verschiedenen Funktionen um den Forschungsstandort Schweiz verdient. Als klinischer Forscher leistete er selber einen bedeutenden Beitrag zum besseren Verständnis von Arzneimittelinteraktionen und -nebenwirkungen. Zudem amtete er als Gründungsdirektor eines der ersten Schweizer Zentren für klinische Forschung in Zürich, da er früh sah, wie wichtig solche Infrastrukturen für eine professionelle klinische Forschung sind.

 

Peter Meier-Abt erkannte auch die Notwendigkeit einer schweizweiten Zusammenarbeit und Vernetzung der Spitäler durch entsprechende Zentren und Infrastrukturen, um Synergien zu nutzen und gemeinsame Standards zu setzen. So war er federführend an der Gründung der Swiss Clinical Trial Organisation (SCTO) als zentrale Organisation für die klinische Forschung in der Schweiz beteiligt. Als ihr erster Präsident (2009 bis 2012) setzte er sich mit grossem Engagement für eine patientenorientierte Forschung ein, die hinsichtlich Innovation und Qualität dem internationalen Wettbewerb standhält, einschliesslich der dafür notwendigen Weiter- und Fortbildung. Die SCTO ist heute auch dank ihm in der klinischen Forschungslandschaft fest verankert.

 

Auch die Zusammenarbeit mit ähnlichen Organisationen und Netzwerken in Europa trieb Peter Meier-Abt stetig voran. Ein konkretes Ergebnis ist die Mitgliedschaft der SCTO beim European Clinical Research Infrastructure Network (ECRIN), das eine enge Anbindung an die klinische Forschung in Europa gewährleistet.

 

Nicht zuletzt dank seinem grossen Herz galt Peters Aufmerksamkeit auch der pädiatrischen klinischen Forschung in der Schweiz. Er war eine der treibenden Kräfte hinter der Gründung von SwissPedNet, dem Schweizer Netzwerk der pädiatrischen Forschungszentren. Diese von ihm initiierte Vernetzung leistet einen wichtigen Beitrag an evidenzbasierte Medizin für Kinder.

 

Mit Peter Meier-Abt hat uns ein grosser Mediziner, Wissenschaftler und Visionär verlassen, aber auch ein guter Freund – wir bleiben ihm in grosser Dankbarkeit verbunden.

 

Christiane Pauli-Magnus, Präsidentin, Annette Magnin, Geschäftsführerin SCTO

 

 

 

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lic. phil. Valérie Clerc
Generalsekretärin