Intensivmedizin: Triage bei Engpässen

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Weil intensivmedizinische Massnahmen für alle Beteiligten sehr belastend sein können, hat die SAMW zur Unterstützung der Fachpersonen medizin-ethische Richtlinien «Intensivmedizinische Massnahmen» (2013) ausgearbeitet. Mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) stehen die Intensivstationen vor zusätzlichen Herausforderungen, die Gesundheitsfachleute sind besonders schwierigen Situationen ausgesetzt und tragen eine grosse Verantwortung. Die SAMW hat deshalb die Richtlinien von 2013 mit einem Anhang zu Triageentscheidungen ergänzt.

Solange genügend Ressourcen zur Verfügung stehen, werden alle Patienten aufgenommen, die eine intensivmedizinische Behandlung benötigen, und nach etablierten Kriterien behandelt. Tritt eine Notstandssituation mit einer grossen Anzahl schwerstkranker Patienten ein, werden Rationierungsentscheide nötig. Dabei ist die Belastung für das medizinische Personal sehr hoch. Umso wichtiger ist es, dass gesamtschweizerisch vergleichbare Kriterien für die Aufnahme und den Verbleib auf der Intensivstation zur Anwendung kommen.

 

Die SAMW hat gemeinsam mit der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) Richtlinien ausgearbeitet, die die Basis für solche schwerwiegenden Entscheidungen bilden. Die Richtlinien ergänzen die SAMW-Richtlinien «Intensivmedizinische Massnahmen» und betreffen somit nur einen kleinen Teil der am Coronavirus erkrankten Patienten, namentlich die Gruppe der schwerstkranken Patienten, die auf eine Intensivbehandlung angewiesen sind. Covid-19-Erkrankte und andere Patienten, die intensive Pflege benötigen, werden nach denselben Kriterien behandelt.

 

Die Richtlinien zur Triage von intensivmedizinischen Behandlungen bei Ressourcenknappheit wurden am 20. März 2020 veröffentlicht. Sie werden, wenn es die Erfahrungen in der Praxis oder neue wissenschaftliche Erkenntnisse erfordern, laufend angepasst. Auf dieser Seite finden Sie jeweils die jüngste Version mit Publikationsdatum versehen. Die Vorgänger-Versionen finden Sie hier.

 

Alle von der SAMW veröffentlichten medizin-ethischen Richtlinien finden Sie im Menü Publikationen.

 

 

SAMW Newsletter zum Thema

20. März 2020: Coronavirus: Richtlinien für die Triage bei Ressourcenknappheit auf Intensivstationen

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25. März 2020: Coronavirus: Richtlinien für Triage aktualisiert und Empfehlungen für Palliative Care

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16. April 2020: Triageentscheidungen auf Intensivstationen: eine Zwischenbilanz

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Zusätzliche Empfehlungen Palliative Care

Die Infektion mit dem Coronavirus bedroht die ganze Bevölkerung, am stärksten gefährdet für schwere und tödliche Verläufe sind aber ältere Menschen, die häufig multimorbid und gebrechlich sind. Schwerste Erkrankungen mit ungünstiger Prognose und Sterbesituationen erfordern gute Palliative Care für die Betroffenen. Die aktuelle Pandemiesituation und die Veröffentlichung der Richtlinien zu den Triageentscheidungen haben die Fachgesellschaft Palliative Geriatrie (FGPG) veranlasst, ergänzend praxisbezogene Empfehlungen zu verfassen. Die SAMW begrüsst diesen Schritt.

 

Zum Thema Palliative Care hat die SAMW medizin-ethische Richtlinien veröffentlicht (2012) und ein Förderprogramm durchgeführt (2014 – 2018). Informationen finden Sie hier.

 

 

Die ethische Debatte breit führen

Die neuen Richtlinien zur Triage auf Intensivstationen finden über die Fachwelt hinaus in der Öffentlichkeit grosse Beachtung. Auch ethix, Lab für Innovationsethik will dazu beitragen, die ethische Debatte breit zu führen. In einem Blog-Beitrag finden Sie ein Dokument, das die Kernelemente der Richtlinien veranschaulicht und einen Fragebogen, der verschiedene Triage-Szenarien zur Diskussion stellt.


Die Ergebnisse der Umfrage geben Aufschluss darüber, wie die ethischen Überlegungen hinter den Triage-Empfehlungen von der breiten Bevölkerung eingestuft werden. Die Mehrheit der Teilnehmenden stimmt den SAMW-Richtlinien grundsätzlich zu. Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmenden stimmt dem Prinzip der Nichtdiskriminierung zu. Die Nationalität, der Versicherungsstatus und ein etwaiger besonderer Wert der Person für die Gesellschaft erweisen sich als irrelevante Priorisierungskriterien. Jedoch scheint dem Alter einer erkrankten Person eine gewisse Bedeutung zuzukommen: Für 24,7% der Teilnehmenden stellt das Alter einen zusätzlichen Entscheidungsfaktor dar. Gut 90% aller Teilnehmenden war klar, dass die prioritäre Behandlung nicht mit Geld zu kaufen sein darf, da dies gegen den Grundsatz «Jedes Leben hat den gleichen Wert» verstossen würde.
 

Eine ausführliche Auswertung der Umfrage finden Sie auf der Website von ethix, Lab für Innovationsethik.

 

 

Dokumente zur Vertiefung

Hier finden Sie Interviews und Publikationen, die verschiedene Aspekte der Triage bei Engpässen auf Intensivstationen beleuchtetn.

 

KONTAKT

Dr. iur. Thomas Gruberski
Leitung Ressort Ethik