Klinische Forschung: White Paper und Koordinationsplattform

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Dank öffentlichen Investitionen in zahlreiche Initiativen, Dateninfrastrukturen und Finanzierungsinstrumente hat sich die klinische Forschung verbessert. Die Aktivitäten führten jedoch zu Zersplitterung und es blieben Lücken bestehen. Das 2021 von der SAMW veröffentlichte White Paper Clinical Research formuliert sieben Ziele, um alle Akteure um eine gemeinsame Vision zu vereinen und die Wirkung der klinischen Forschung zum Nutzen aller zu stärken.

Das White Paper Clinical Research, das in Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen entstanden ist, analysiert die wichtigsten Faktoren, die die klinische Forschung verändern und identifiziert Schwachstellen und Redundanzen in der Schweizer Forschungslandschaft. Überzeugt, dass eine gute medizinische Versorgung von und mit guter Wissenschaft kommt, unterstreicht das Paper die Bedeutung einer neuen Forschungskultur für die klinische Forschung, die auf allen Ebenen integrativer werden soll.

 

White Paper Clinical Research (2021)

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Englisch mit einer Zusammenfassung auf Deutsch

Das Wichtigste in Kürze

Das White Paper betont die Notwendigkeit, eine gute Forschungskultur in Spitälern und den dazugehörigen Forschungseinrichtungen zu stärken mit dem Ziel, ein «lernendes Gesundheitssystem» zu entwickeln. Der vermehrte Einbezug von Patientinnen, Patienten und der gesunden Bevölkerung und ein aktiver Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft sind nötig, um das Verständnis und einen effektiven Wissenstransfer zu fördern.


Ausbildung, Training, Mentoring und Förderung von medizinischen und anderen klinischen Forschenden mit unterschiedlichen Profilen und auf allen Karrierestufen sind von zentraler Bedeutung. Zudem gilt es interdisziplinäre und interprofessionelle Teams aufzubauen, die Patienten und Bürgerinnen einbeziehen und vielfältige Fachperspektiven integrieren.


Die Methoden der klinischen Forschung müssen durch innovative klinische Studiendesigns, Präzisionsmedizin, datengestützte, digitale und technologische Ansätze erweitert werden. Dazu ist eine Harmonisierung von datenbezogenen Richtlinien nötig.


Betrachtet man die Hauptakteure der Schweizer Forschungslandschaft, sind Fragmentierung, Überschneidungen, dezentrale Strukturen, regulatorische Hürden und ein Mangel an gemeinsamen strategischen Prioritäten offensichtlich. Konzertierte und koordinierte Aktivitäten auf nationaler Ebene sind unerlässlich, um die Qualität und Wirkung der klinischen Forschung zu verbessern.


In einer Roadmap definiert das White Paper sieben Ziele im Sinne eines Aktionsplans, um die Schweiz als international führendes Land in der patientenzentrierten klinischen Forschung zu etablieren:

  1. Schaffung einer nationalen Plattform zur Koordination öffentlich finanzierter Akteure in der klinischen Forschung
  2. Aufbau starker Partnerschaften mit der Öffentlichkeit, der Bevölkerung, Patientinnen und Patienten
  3. Förderung eines Gesundheitssystems, das die klinische Forschung systematisch integriert: Good care comes with – and from – good science
  4. In die Entwicklung von innovativen, dynamischen klinischen Forschungsansätzen, Designs und Technologien investieren
  5. Translationale, multidisziplinäre und integrierte klinische Forschungsteams fördern
  6. Ein Umfeld gewährleisten, das für klinisch Forschende und Gesundheitsforschende attraktiv ist und sie auf allen Karrierestufen unterstützt
  7. Die Komplexität der regulatorischen und datenbezogenen Prozesse reduzieren, um die Effizienz zu steigern und die Umsetzung klinischer Forschung zu beschleunigen

 

Nationale Koordinationsplattform Klinische Forschung

Gestützt auf die Analyse des White Papers hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) die Notwendigkeit erkannt, den Austausch zwischen den öffentlichen Akteuren in der klinischen Forschung zu stärken und die Perspektive der öffentlichen Gesundheit einzubeziehen. Es beauftragte die SAMW als übergeordnete, unabhängige Instanz mit dem Aufbau einer nationalen Koordinationsplattform Klinische Forschung für die BFI-Periode 2021–2024. Bislang fehlt eine solche Austausch- und Koordinationsstruktur, die das gesamte Spektrum der klinischen Forschung zusammenbringt, konzertierte Aktivitäten und eine klare Verteilung von Aufgaben und Verantwortungen ermöglicht.

 

Die Plattform wird weder eine Regulations- noch eine Kontrollinstanz sein. Vielmehr hat sie als Mission, prioritäre Handlungsfelder für die öffentlich finanzierte klinische Forschung zu identifizieren und Empfehlungen gegenüber Entscheidungsorganen bzw. dem SBFI zu formulieren. Sie soll sich in der ersten Betriebsphase auf eine begrenzte Anzahl Kernmitglieder beschränken, um effizient zu funktionieren. Die Struktur und Organisation werden im Hinblick auf die BFI-Periode 2025–2028 geprüft, um den Bedürfnissen aller Akteure der klinischen Forschung bestmöglich zu entsprechen.

 

Bis Ende 2021 soll die Plattform konstituiert sein und ihre Aktivitäten aufnehmen. In den FAQ finden Sie weitere Informationen zu den Aufgaben und Zielen. Die SAMW wird mit den beteiligten Partnerinstitutionen Kontakt aufnehmen und über die üblichen Kanäle – Website, Newsletter und Bulletin – über Fortschritte berichten.

 

Mandat SBFI «Nationale Koordinationsplattform Klinische Forschung» (2021)
FAQ Nationale Koordinationspattform Klinische Forschung (auf Englisch)

 

Hintergrund

Die Reflexion über die klinische Forschung in der Schweiz, die im internationalen Vergleich und in Bezug auf die Grundlagen- und experimentelle Forschung lang als «Problemkind» galt, gehört zu den strategischen Prioritäten der SAMW. Sie hat im Laufe der Jahre verschiedene Publikationen erarbeitet mit dem Ziel, die Rahmenbedingungen für die klinische Forschung zu verbessern. Gemeinsam mit verschiedenen Partnern wurden Projekte zur Stärkung der Wissenschaftskultur in der akademischen Medizin, zur Förderung der Interprofessionalität, zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und zur Verbesserung der Forschungsinfrastrukturen initiiert.


Das White Paper Clinical Research (siehe oben) präsentiert eine gemeinsame Vision für die Zukunft der klinischen Forschung in der Schweiz. Es wurde im Auftrag des SBFI erarbeitet und soll mit seinen Empfehlungen zum entstehenden «Masterplan Biomedizin 2021–2025» des Bundes beitragen. Aus diesem Grund wurde bewusst eine Schweizer Perspektive gewählt, um die Heterogenität in der klinischen Forschungslandschaft der Schweiz aufzuzeigen. Ein umfassender internationaler Vergleich hätte den Rahmen des Mandats gesprengt.

 

 

 

 

KONTAKT

Dr. Myriam Tapernoux
Ressortleitung Wissenschaft