Organtransplantation: Feststellung des Todes

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Das Bundesgesetz über die Transplantation von Organen, Geweben und Zellen (TxG) umschreibt die rechtlichen Voraussetzungen für Organtransplantationen. Zur Feststellung des Todes verweist die Verordnung zum TxG auf die medizin-ethischen Richtlinien der SAMW.

In der Frage des Todeskriteriums stützt sich das Gesetz auf die neurologische Definition des Todes, wonach der Mensch tot ist, wenn sämtliche Funktionen seines Hirns, einschliesslich des Hirnstamms, irreversibel ausgefallen sind. Zur Feststellung des Todes verweist die Verordnung zum Bundesgesetz über die Transplantation von Organen, Geweben und Zellen auf die Richtlinien «Feststellung des Todes im Hinblick auf Organtransplantationen und Vorbereitung der Organentnahme» der SAMW. Damit unterstellt der Gesetzgeber nicht die Definition des Todes, jedoch die Bestimmungen, wie dieser lege artis festzustellen ist, dem Stand der medizinischen Wissenschaften.

 

Erläuterungen zur Revision der Richtlinien 2017

Gleichzeitig mit der Revision des Transplantationsgesetzes wurden auch die Richtlinien zur Feststellung des Todes überarbeitet. Der Richtlinien-Entwurf stand von Dezember 2016 bis Februar 2017 in der öffentlichen Vernehmlassung. Angestossen durch Rückmeldungen aus der Vernehmlassung, wurde die Wartezeit bis zur formellen Feststellung des Todes nach Kreislaufstillstand von 10 auf 5 Minuten gekürzt. Dies hat zu kritischen Reaktionen geführt. Deshalb wird dieser Entscheid hier explizit begründet:

  1. Die Schweiz ist eines der wenigen Länder, in denen der Kreislaufstillstand nicht nur durch Ertasten des fehlenden Pulses, sondern mittels Echokardiographie (Ultraschall des Herzens) diagnostiziert werden muss. Durch diese Untersuchung besteht Sicherheit, dass kein Blutfluss mehr vorhanden ist, der das Gehirn mit Sauerstoff versorgt. Wenn das Gehirn während drei Minuten keinen Sauerstoff erhält, führt dies zu irreversiblen Schäden.
  2. Nach der Wartezeit muss zudem eine formelle Hirntoddiagnostik gemäss SAMW-Richtlinien erfolgen. Auch hier gehört die Schweiz im internationalen Vergleich zu den Ausnahmen, indem sie ein solches Prozedere vorgibt.
  3. Die Richtlinien halten fest, wer eine solche Hirntoddiagnostik durchführen darf; die Anforderungen sind sehr hoch.

 

Weitere Informationen hat die SAMW im Newsletter von Freitag, 10. November 2017 kommuniziert. Lesen Sie unseren Newsletter im Online-Archiv.

 

KONTAKT

lic. iur. Michelle Salathé
Leitung Ressort Ethik