Richtlinien: Umgang mit Sterben und Tod

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Die Behandlung, Betreuung und Begleitung von Patientinnen und Patienten, die mit dem eigenen Sterben konfrontiert sind, ist eine zentrale Aufgabe der Medizin, die hohen Respekt und grosse ethische Verantwortung verlangt. Die medizin-ethischen Richtlinien der SAMW enthalten differenzierte Kriterien, die den behandelnden Ärztinnen und Ärzten und weiteren Fachpersonen ethische Leitplanken geben in den herausfordernden Situationen im Umgang mit Sterben und Tod.

Seit der Veröffentlichung der SAMW-Richtlinien «Betreuung von Patientinnen und Patienten am Lebensende» im Jahr 2004 werden die Themen Sterben und Tod zunehmend in Fachkreisen und in der Öffentlichkeit diskutiert, vermehrt auch die Frage, welche Ziele von der Medizin verfolgt und welche Aufgaben ihr zugewiesen werden sollen.

 

Im Mai 2015 hatte die Zentrale Ethikkommission der SAMW eine Subkommission beauftragt, die Richtlinien von 2004 zu überarbeiten. Die Subkommission führte Expertenhearings durch, berücksichtigte die Ergebnisse des Nationalen Forschungsprogramms Lebensende (NFP 67) und stützte sich bei der Revision u. a. auf die im Auftrag der SAMW durchgeführte Studie «Haltung der Ärzteschaft zur Suizidhilfe».

 

Neben der Betreuung von Sterbenden behandeln die Richtlinien neu auch Gespräche mit Patientinnen und Patienten, bei denen eine tödlich verlaufende Erkrankung diagnostiziert wurde sowie den Umgang mit Sterbewünschen. Explizit wird auch die Suizidhilfe bei Patientinnen und Patienten, deren Todeseintritt noch nicht absehbar ist, thematisiert.

 

Gemäss Richtlinien ist Suizidhilfe bei urteilsfähigen Patientinnen und Patienten dann vertretbar, wenn diese unerträglich unter den Symptomen einer Krankheit und/oder Funktionseinschränkungen leiden und andere Optionen erfolglos blieben oder als unzumutbar abgelehnt werden. Der Wunsch des Patienten, in dieser unerträglichen Lebenssituation nicht mehr leben zu wollen, muss für die Ärztin/den Arzt aufgrund der Vorgeschichte und wiederholter Gespräche nachvollziehbar sein. Er muss wohlerwogen, dauerhaft und ohne äusseren Druck entstanden sein. Die Richtlinien betonen aber auch, dass Patienten keinen Anspruch auf Suizidhilfe haben, und es jedem Arzt frei steht, diese Handlung für sich in Betracht zu ziehen oder nicht.

 

Die neuen Richtlinien streben eine Vermittlung zwischen unterschiedlichen Sichtweisen und Wertvorstellungen an und wirken darauf hin, dass die Selbstbestimmung aller Beteiligten – der Patientinnen, der Angehörigen und der medizinischen Fachpersonen – geachtet und geschützt wird.

 

Am Donnerstag, 25. Oktober 2018, hat die Ärztekammer der FMH entschieden, dass die Richtlinien «Umgang mit Sterben und Tod» der SAMW nicht in den Anhang der Standesordnung übernommen werden. Lesen Sie dazu die Stellungnahme der SAMW vom 26. Oktober 2018.

 

Im Menü Publikationen können die Richtlinien kostenlos gedruckt bestellt werden (in deutsch und französisch).

 

Früher gültige SAMW-Richtlinien zum Umgang mit Fragen am Lebensende und Unterlagen zum Entstehungsprozess der aktuellen Richtlinien (2018) sind unter Hintergrund zugänglich.

 

 

KONTAKT

lic. iur. Michelle Salathé
Leitung Ressort Ethik