Ökonomisierung der Medizin
Die Nationale Ethikkommission (NEK) und die SAMW führten am 1. Juli 2011 das dritte Symposium in der Reihe «Ökonomisierung der Medizin» durch, diesmal zum Thema «Medizin total - Die Medikalisierung des Alltags als ethisches Problem».Wer ist krank, wer gesund? Wer bestimmt über die Normen, von denen abzuweichen eine Krankheit darstellt? Klar ist: Es ist nicht die medizinische Wissenschaft allein, die festlegen kann, welche Phänomene als Krankheit gelten sollen, denen mit medizinischen Massnahmen zu begegnen ist. Gesellschaftliche Wertungen und nicht zuletzt politische Entscheidungen bestimmen mit, was als gesund und krank gilt. So lässt sich aktuell beobachten, dass, ausgehend von medizinischen Erkenntnissen, zunehmend gesellschaftlich und individuell unerwünschte Problemstellungen als Krankheiten definiert und dadurch der medizinischen Betreuung anheim gestellt werden. Dieser Prozess schliesst sowohl somatische als auch psychische Diagnosen ein und wird als Medikalisierung bezeichnet.
Das Symposium diskutierte ethische Problemfelder der Medikalisierung unseres Alltags. Ausgehend von konkreten Praxisbeispielen und einer historischen Einordnung wurde der Prozess der Medikalisierung in seiner Ambivalenz zur Debatte gestellt: So kann es für eine betroffene Person auf der einen Seite entlastend sein, das persönliche Befinden einer Diagnose zuordnen zu können. Auf der anderen Seite kann die zunehmende Medikalisierung des Alltags einen Verlust von Autonomie und erhöhten sozialen Druck, etwa hinsichtlich der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen, zur Folge haben. Zudem sind ethisch bedeutsame ökonomische Fragen zu stellen: Welche wirtschaftlichen Anreize fördern die Medikalisierung des Alltags? Welche volkswirtschaftlichen Kosten hat sie zur Folge? Und: Wie beeinflussen sich die Ökonomisierung der Medizin und die Medikalisierung des Alltags wechselseitig?
Programm des Symposiums 2011
Präsentationen: siehe Box rechts
Link zum Symposium 2009 (im Projekte-Archiv)
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