Medizin als Wissenschaft
Die grossen Fortschritte in der Medizin während der letzten 100 Jahre kamen durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse zustande. Dennoch ist eine ambivalente Einstellunggegenüber der wissenschaftlichen Medizin heute weit verbreitet – sowohl in den Medizinalberufen wie in der Öffentlichkeit. Forschung als (Teil- oder Vollzeit-) Aktivität oder Karriere-Option ist bei der Mehrzahl von Ärztinnen und Ärzten unattraktiv und unpopulär geworden. Ein gewisses Misstrauen gegenüber einer allzu techniklastigen Medizin hat zu einem berechtigten Wunsch nach einer «menschlichen» Medizin geführt, die sich an einem «ganzheitlichen Ansatz» orientiert. Damit verbunden ist aber auch die potentielle Gefahr, dass Ärztinnen und Ärzte die traditionelle Nähe zu den wissenschafltichen Grundlagen verlieren, d.h. die Ergebnisse der Forschung nicht im Sinne der «evidence-based medicine» für ihre praktisch-klinische Arbeit einsetzen.
Ärztinnen und Ärzte müssen im Stande sein, die Fortschritte in der Forschung zu verfolgen und sie auf ihre potentielle Bedeutung für die Medizin realistisch einzuschätzen. Auch primär am Krankenbett tätige Kliniker müssen die Sprache der Wissenschaften verstehen und zum Informationsfluss «from the bench to the bedside and back again» möglichst sachlich und effizient beitragen.
Vor diesem Hintergrund hat die SAMW ein Positionspapier ausgearbeitet, welches mögliche Ursachen für die In-Frage-Stellung der heutigen Medizin beschreibt und gleichzeitig konkrete Modelle und Vorschläge für eine Neuorientierung liefert. Dabei wird auf bestehende und kürzlich neu eingeführte Elemente aufgebaut, welche bereits in die notwendige Richtung gehen; dazu gehören z.B. der MD-PhD und die mit dem Schweizer Bologna-Modell geschaffenen Optionsmöglichkeiten.
