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Dr. Hermann Amstad,

Generalsekretär,

Tel. 061 269 90 30

Aus der Geschichte der SAMW

Im Juni 1941 beschloss die Medizinische Fakultät der Universität Basel einstimmig, auf die Schaffung einer medizinischen Akademie in der Schweiz hinzuwirken. Die Initiative zu diesem Projekt ging von Prof. Alfred Gigon aus, dem Chefarzt der Medizinischen Poliklinik in Basel. Prof. Gigon skizzierte vier Hauptziele für die neue Akademie:

  1. die Unterstützung der wissenschaftlichen Forschung;
  2. die Unterstützung des Nachwuchses;
  3. die Zusammenarbeit mit den praktisch tätigen Ärzten;
  4. die Kontaktpflege mit dem Ausland.
 
Gründung während des 2. Weltkrieges
Es brauchte etwas mehr als zwei Jahre, bis diese Idee Gestalt annehmen konnte. Am 24. September 1943 gründeten die fünf Medizinischen Fakultäten, die zwei Veterinär-medizinischen Fakultäten und die Verbindung der Schweizer Ärzte FMH mit einem feierlichen Akt in der Basler Martinskirche die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften. Den Gründervätern (neben Prof. Gigon ist hier namentlich Prof. Alex von Muralt zu nennen, Initiant der Schweizerischen Stiftung für Medizinisch-Biologische Stipendien und 1952 Gründer des Schweizerischen Nationalfonds) gelang es, die Basler Pharmafirmen und weitere Firmen zu namhaften Donationen zu motivieren und so ein bedeutendes Stiftungskapital zu äufnen. Erster SAMW-Präsident war Prof. Carl Wegelin aus Bern; erster Generalsekretär war Prof. Gigon, der dieses Amt mehr als zehn Jahre lang innehatte.

«Beitrag zur Lösung aktueller Probleme»
Hauptaktivität der SAMW in den ersten Jahren ihrer Existenz und namentlich nach dem Ende des 2. Weltkriegs war die (Wieder-)Aufnahme der Beziehungen mit der medizinischen Welt im Ausland. Allmählich gewann dann die Vergabe von Stipendien an junge Ärzte an Bedeutung, damit diese Forschungsaufenthalte in Europa und vor allem den USA absolvieren konnten. Daneben schuf die Akademie zahlreiche Kommissionen, um – wie es in einem Jahresbericht heisst – «zur Lösung aktueller Probleme beizutragen». 1963 z.B. sah die Liste dieser Kommissionen wie folgt aus:
  • Isotopenkommission
  • Kommission für Hirnforschung
  • Groupement oto-neuro-ophtalmologique et neurochirurgical de Genève
  • Kommission für die wissenschaftliche Erforschung der Mangelkrankheiten bei Mensch und Tier
  • Tuberkulosekommission
  • Kommission für Erbbiologie des Menschen
  • Kommission für das Elektronenmikroskop
  • Kommission zur psychologischen Untersuchung der Flüchtlingsprobleme
  • Fluorkommission
  • Kommission zum Studium der Arteriosklerose
  • Kommission für geographische Pathologie
  • Kommission für das Studium der Frage des Obligatoriums der Pockenschutzimpfung für die ganze Schweiz
  • Milchkommission
  • Anästhesiekommission
  • Kommission für Arbeitsmedizin

Ein weiterer Schwerpunkt der Akademie war von Anfang an die Bereitstellung medizinischer Literatur. Diente in den ersten zwanzig Jahren primär die im Auftrag und unter Aufsicht der SAMW erstellte «Bibliographia medica Helvetica» diesem Ziel, so übernahm ab Beginn der 70er Jahren des letzten Jahrhunderts der neu aufgebaute «Dokumentationsdienst der SAMW» (DOKDI) diese Aufgabe. Bis zu seiner Schliessung im Jahr 2000 führte DOKDI für Forschende, Bundesämter und Firmen Zehntausende von Literaturrecherchen aus; das Aufkommen des Internets reduzierte den Bedarf an dieser Dienstleistung.

Auseinandersetzung mit ethischen Fragen
Diejenige Kommission der SAMW, welche heute als die wichtigste angesehen wird – die Zentrale Ethikkommission – wurde erst 1979 geschaffen. Die Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen begann jedoch bereits früher. Im Zusammenhang mit dem Aufkommen der Organtransplantation veröffentlichte die SAMW 1969 die ersten Richtlinien, nämlich jene zur «Definition und Diagnose des Todes». Diesen Richtlinien folgten zahlreiche andere, so zu «Forschungsuntersuchungen am Menschen», «Sterbehilfe», «Artifizieller Insemination» oder «Intensivmedizin».
Die Veröffentlichung von Richtlinien und Empfehlungen ist heute – neben der Reflexion über die Zukunft der Medizin, dem Engagement in der Hochschul-, Wissenschafts- und Bildungspolitik, der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, sowie der Unterstützung der hohen Forschungsqualität in der biomedizinischen und klinischen Forschung – eine der Hauptaktivitäten der SAMW.

Professionalisierung
Der unerwartete Tod des Generalsekretärs Dr. Justus Gelzer im Jahr 1998 legte in aller Schärfe die strukturellen Mängel der historisch gewachsenen Arbeitsweise der Akademie offen. Es wurde offensichtlich, dass die neuen Aufgaben ein hohes Mass an Professionalität und Kontinuität im Generalsekretariat verlangten. Dies legte es nahe, die Ausgestaltung des Generalsekretariates zu überprüfen. Als Folge davon wurde Ende 1998 mit Dr. Margrit Leuthold die erste vollamtliche Generalsekretärin angestellt.

Die SAMW hat ihren Sitz seit 1952 im Wildt’schen Haus am Petersplatz in Basel. In den alten Mauern herrscht aber heute ein moderner Betrieb. Nicht nur der Betrieb ist anders geworden. Kurz nach den strukturellen Umstellungen hat die SAMW auch ihr gesamtes Erscheinungsbild geändert.

Der Wissenschaft und der Gesellschaft verpflichtet

Eine wichtige, wenn auch vielleicht wenig auffällige Änderung betraf das Signet in ihrem Logo. Die vertraute Anlage dieses Signets – die Schlange als Symbol der Medizin umringt von einem lateinischen Motto – ist unverändert, wurde aber in der graphischen Ausführung der Gegenwart angepasst. Die wichtigste Änderung hat jedoch das Motto erfahren, das sich in seiner ursprünglichen Fassung – MEDICIS ET PROFESSORIBUS – daran orientierte, dass die SAMW 1943 von den medizinischen Fakultäten und der FMH gewissermassen als Selbsthilfeorganisation zur Förderung der medizinischen Wissenschaft gegründet wurde. Angesichts des veränderten Wirkungsfeldes der SAMW entsprach das tradierte Motto in seiner Aussage nicht mehr der Wirklichkeit. Deshalb beschloss der Vorstand im Jahr 2000, es sei im Rahmen der Erneuerung des Erscheinungsbildes der SAMW anzupassen, um das Engagement und die Verantwortung der SAMW im Dienst der Medizinischen Wissenschaft und der Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen. Es lautet heute SCIENTIAE MEDICINALI ET SOCIETATI. Ein starkes Bekenntnis, dem die SAMW auch in Zukunft gerecht werden will.

Howald Fosco | [tm]