Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Frau 
lic. iur. Michelle Salathé,
MAE, Ressort Ethik,
Tel. 061 269 90 30

Anwendung von nicht-etablierten Behandlungen

(Start September 2011)

Auftrag

Nicht immer liegen für medizinische Behandlungen anerkannte Standards vor. Steht keine erprobte Standardbehandlung zur Verfügung oder hat diese versagt, dürfen Ärzte zum Nutzen des Patienten im Rahmen der ärztlichen Therapiefreiheit im Einzelfall auch mittels (noch) nicht als Standard anerkannter therapeutischer Massnahmen den Behandlungserfolg anstreben. Solche Interventionen werden auch als «Heilversuche» bezeichnet, wobei dieser Terminus unterschiedlich verwendet und interpretiert wird.

Die Schweizerische Stiftung Patientenschutz (SPO) fordert eine Regelung des Heilversuchs im Rahmen des geplanten Gesetzes über «Forschung am Menschen». Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) erachtet dies als nicht sinnvoll und hat in einem Factsheet (PDF) ihre Gründe dafür dargelegt. Ärzte sind verpflichtet, Patienten im Rahmen der Aufklärung über eine geplante Behandlung auch über diesen Sachverhalt adäquat zu informieren, denn nur so kann eine rechtmässige und notwendige Einwilligung des Patienten erfolgen. Die SAMW teilt die Auffassung der SPO, dass einzelne Gerichtsfälle in der Vergangenheit deutlich gemacht haben, dass teilweise das Bewusstsein dafür fehlt respektive Unsicherheit besteht, was diese Pflicht beinhaltet. Die Zentrale Ethik-Kommission (ZEK) der SAMW hat deshalb einer Subkommission den Auftrag erteilt, Richtlinien auszuarbeiten, welche namentlich die nachfolgenden Themen behandeln:

  • Problembeschreibung: Pädiatrie, Notfall, Gynäkologie etc.
  • Begriffsklärung:
  • was ist eine gut erprobte Handlung, was ist off label use, unlicensed use, compassionate use, («Heilversuch») etc. Abgrenzung zur Forschung
  • Rechtliche Regelungen für off label use, unlicensed use, compassionate use
  • Therapiefreiheit und Patientenrechte
  • Aufklärung über medizinische Behandlungen im allgemeinen: Inhalt und Form
  • Aufklärung über medizinische Behandlungen bei Abweichung respektive Fehlen vom medizinischen Standard: Inhalt und Form
  • Aufklärung über medizinische Behandlung bei compassionate use
  • Empfehlungen / Checkliste

Zusammensetzung der Subkommission

Prof. Dr. med. Dieter Conen, Buchs AG (Vorsitz)
Prof. Dr. med. Nicolas Demartines, Lausanne
Prof. Dr. med. Richard Herrmann, Riehen
Margrit Kessler, SPO, Zürich
Prof. Dr. med. Christian Kind, SAMW, St. Gallen
Prof. Dr. med. Christian Kern, Lausanne
Prof. Dr. med. Irène Hösli, Basel
Lic. iur. Michelle Salathé, SAMW, Basel
Elisabeth Spichiger, PhD, RN, Bern
Dr. iur. Franziska Sprecher, Zürich
Prof. Dr. iur. Brigitte Tag, Zürich
Lic. iur. Barbara Züst, SPO, Winterthur
Howald Fosco | [tm]