Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Frau 
lic. iur. Michelle Salathé,
MAE, Ressort Ethik,
Tel. 061 269 90 30

Human Enhancement

Die SAMW beschäftigt sich schon seit längerem mit medizinischen Interventionen, die sich nicht auf die Therapie von Krankheit, sondern auf die Veränderung oder Verbesserung nicht-pathologischer Merkmale richten («Human Enhancement»). Sie hat am 21. November 2007 eine Tagung durchführt, welche die Bandbreite der Themen, vom Neuro-Enhancement bis zum Doping im Sport, aufgezeigt hat. Da die Tätigkeit des Arztes und das Aufgabenfeld der Medizin traditionell in der Heilung von Krankheiten gesehen werden, entstehen durch die Praxis des Enhancement eine Reihe ethischer Fragestellungen. Einerseits sind dies individual-ethische Fragestellungen, welche das Arzt-Patientenverhältnis betreffen (z.B. Risiko-Nutzenabwägung, Respektierung der Selbstbestimmung), andererseits aber auch sozialethische Fragestellungen (Frage nach den Zielen der Medizin, dem Zugang zu «medizinischen» Leistungen usw.).

2008 haben die Akademien der Wissenschaften Schweiz das Thema als Schwerpunkt aufgenommen und unter Leitung von Prof. Nikola Biller-Andorno eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Die Arbeitsgruppe soll einen Bericht zu den ethischen Fragen des «Human Enhancement» vorlegen und Empfehlungen ausarbeiten. Namentlich soll sie folgende Fragen klären:
  • Ziele der Medizin: Gehört Enhancement zum Aufgabenbereich der Medizin und falls ja, welche Auswirkungen hat dies auf die Ziele der Medizin? N. Biller-Andorno: Soll die Medizin mit Blick auf die Option des Enhancement «Gralswächter einer reinen Medizin», «Schiedsrichter» oder doch «Wunscherfüller» sein?
  • Definitionen und Konzepte von Gesundheit und Krankheit: Inwieweit ist eine Abgrenzung zwischen Therapie und Enhancement respektive Prävention und Enhancement möglich (→ Auswirkungen auf der Leistungskatalog der Grundversicherung)?
  • Medizinische Versorgung / Gerechtigkeit: Bereits heute bestehen Zugangsprobleme im Bereich Psychiatrieversorgung, Rehabilitationsversorgung sowie Langzeitversorgung und –betreuung Chronischkranker (vgl. Bericht Rationierung). Diese können sich akzentuieren, wenn Medizinalpersonen in den Gesundheitsmarkt abwandern. Besteht hier Handlungsbedarf?

Die Arbeitsgruppe stimmt ihre Aktivitäten mit dem Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung (TA Swiss) und der Nationalen Ethikkommission (NEK) ab, welche sich ebenfalls im Rahmen von Projekten mit dem Human Enhancement befassen.

Zusammensetzung der Arbeitsgruppe
Prof. Nikola Biller-Andorno, Zürich (Vorsitz)
Prof. Anne-Françoise Allaz, Genève
Dr. Gaia Barazetti, Lausanne
lic. ès lettres Nadja Birbaumer, Bern (SAGW)
Susanne Brauer, PhD, Bern (NEK)
Prof. Jürg Kesselring, Valens
PD Dr. Iris Ritzmann, Zürich
Dr. S. Romagnoli, Lausanne
Dr. Adrian Rüegsegger, Bern (TA-Swiss)
lic. iur. MAE Michelle Salathé (SAMW), Basel
Dr. des Jean-Daniel Strub, Bern (NEK)
PD Dr. Elisabeth Zemp Stutz, Basel
Dr. Markus Zimmermann-Acklin, Fribourg

Relevante Dokumente:


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